Die Mitglieder des Verbandes Forstunternehmer in Bayern kritisierten auf ihrer Jahreshauptversammlung am 13. November einmal mehr die Ausschreibungspraxis der Bayerischen Staatsforsten (BaySF). An der Zuschlagserteilung allein nach dem Preis könnte sich in Zukunft jedoch einiges ändern.
Die Bayerischen Staatsforsten bauen den Einsatz forstlicher Dienstleister wie geplant aus. Im ersten Geschäftsjahr gingen die Rückeaufträge zwar leicht auf 2,6 Mio. Fm zurück, dafür stieg das Holzerntevolumen aber deutlich von 1,65 auf 1,85 Mio. Fm. Für Holzernte und Holzrückung überwiesen die Staatsforsten 48 Mio. Euro an private Unternehmen. Zählt man noch den Wegebau, Pflanzarbeiten und andere Leistungen hinzu, summieren sich die Unternehmeraufwendungen auf 64 Mio. Euro. Im Jahr zuvor waren es 61 Mio. Euro. Insgesamt erledigen die Forstunternehmer zurzeit knapp 40 % der Holzernte, dieser Anteil soll auf 60 % steigen.
An der vielfach kritisierten Auftragsvergabe in Form von Ausschreibungen halte die Staatsforsten jedoch ebenfalls fest, auch wenn die Pool-Ausschreibungen in der Oberpfalz mittlerweile eingestellt wurden, weil die Forstbetriebe ihre Flächen heute selbst vergeben. 85% der Holzerntearbeiten und 55% der Rückearbeiten wurden im Geschäftsjahr 2006 ausgeschrieben.
Ausschreibung gefährdet die Qualität
Diese Form der Auftragsvergabe ging nach Ansicht der Forstunternehmer mit sinkenden Preisen einher. Angesichts steigender Betriebskosten, höherer Anforderungen der Staatsforsten (z.B. Achtradfahrwerke, 700er Bereifung, Bogiebänder als Standardausrüstung) und infolge der Dumpingangebote mancher Kollegen hat dies bereits gern gesehene Unternehmer aus dem Staatswald vertrieben. Für die mechanisierte Holzernte inkl. Rückung erzielen bayerische Dienstleister nach Informationen des Verbandes aktuell zwischen 12,50 und 13,50 Euro/Fm. Für das Rücken nach Waldarbeitereinschlag sind es etwa 7 Euro/Fm. Kostendeckend sind diese Preise bei seriöser Kalkulation häufig nicht. Wie der auf Forstunternehmen spezialisierte Versicherungsmakler Martin Hensel aus Gummersbach aus seiner Tätigkeit weiß, hat das seit Jahren niedrige Preisniveau dazu geführt, dass bundesweit und grob geschätzt vermutlich nur noch 20 % der Forstunternehmer auf einer gesunden finanziellen Basis wirtschaften.
Der stellvertretende Bereichsleiter Holz, Technik und Logistik bei den Bayerischen Staatsforsten, Bruno Starke, sieht die Sache weniger pessimistisch. Seine Statistiken über die im Staatswald eingesetzten Unternehmen belegen ein stabiles bis leicht steigendes Preisniveau. Er gibt andererseits zu, dass zurzeit der Preis das alleinige Entscheidungskriterium bei der Auftragsvergabe ist und teilweise erstaunliche Preise zu beobachten sind.
Allein der Preis ist kein dauerhaftes Kriterium
Einig ist er sich mit den Forstunternehmern, dass zu niedrige Preise nicht nur die Existenz der Unternehmen gefährden, sondern auch die gewohnt hohe Qualität der Waldbewirtschaftung, die am Ende mit einer nachhaltigen Forstwirtschaft gemäß PEFC-Standard nicht mehr vereinbar sein könnte. Dass die geforderten Qualitätsstandards der Leistungsbeschreibungen nicht zuverlässig eingehalten werden, zeigte eine Bereisung einiger ausgewählter Forstbetriebe im Herbst. Dabei wurde unter anderem die Arbeitsqualität der Forstunternehmer beurteilt. Ergebnis: Neben hervorragenden Beispielen, waren auch erhebliche Mängel zu beobachten. Das Nichteinhalten der Rückegassen, zu wenig Reisig auf den Gassen oder grundlegende Fehler bei der Motorsägenarbeit sind nur einige Beispiele. Mit verursacht werden diese Mängel allerdings durch die unzureichende Bestandesvorbereitung mancher Revierförster, die sich zudem vielfach scheuen, Mängel offen anzusprechen.
In der Konsequenz wollen die Bayerischen Staatsforsten die Arbeitsqualität in Zukunft auf andere Weise als bisher bei der Auftragsvergabe sicherstellen. In die Vergabeentscheidung sollen daher die technische Ausstattung, hohe Qualitätsstandards und Zertifikate der Unternehmer über eine Gewichtung einfließen. Forstunternehmer und Revierleiter werden aus diesem Grund nach jedem Auftrag die Arbeitsqualität beurteilen und in einem Protokoll festhalten. Anders als der Verband Forstunternehmer in Bayern anstrebt, werden Unternehmen mit RAL-Gütezeichen Wald- und Landschaftspflege jedoch nicht automatisch bevorzugt. Die Staatsforsten werden sich an den PEFC-Standard 6.3 halten und darin heißt es: „In der Waldarbeit sollen bei vergleichbarem Leistungsangebot und örtlicher Verfügbarkeit nur solche Dienstleistungs-, Lohnunternehmer und gewerbliche Selbstwerber eingesetzt werden, die ein RAL-Gütezeichen, ein Deutsches Forst-Service-Zertifkat oder ein vergleichbares von PEFC anerkanntes Zertifikat besitzen.“ Das bedeutet in der Auslegung von PEFC Deutschland aber nicht ausschließlich.
Erfreulicher für die Unternehmer sind wiederum die sogenannten Servicestellenleiter, die in den Forstbetrieben zusammen mit Forstwirtschaftsmeistern ab Januar 2007 revierübergreifend den kompletten Einsatz der Einschlagsunternehmen abwickeln. Die Servicestellenleiter sollen sich anders als so manche Revierleiter durch ein ausgeprägtes Technikverständnis auszeichnen. Starke verspricht sich davon nicht nur eine professionellere Arbeitsvorbereitung, sondern auch eine bessere Kommunikation zwischen den Forstbetrieben und den Forstunternehmern.
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