Auf die Palme gekommen: PalmwoodNet sucht Investoren für Holzfabrik in Asien

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PalmwoodNetDie Ölpalme ist bekannt. Als Lieferant für billiges Palmöl. Als Urwaldkiller. Als Lieblingskind der Lebensmittelindustrie. Weniger bekannt ist sie bislang als Holzlieferant. Das soll sich jetzt ändern. PalmwoodNet, eine Interessengemeinschaft zur Nutzung des Ölpalmenholzes, hat es im Rahmen der LIGNA erklärt.

Professor Dr. Arno Frühwald begleitet das „Projekt Ölpalme“ mit der Palmwood R+D GbR wissenschaftlich. Er erklärt, erst jetzt sei man in der Lage, Ölpalmenholz industriell zu nutzen. Zwar sei die Palme seit langem bekannt, aber erst seit einigen Jahrzehnten werde sie in so großem Maßstab angebaut, dass eine industrielle Nutzung sinnvoll sei. „Die Palmen sind jetzt so alt, dass man sie nutzen kann“, so Frühwald. Nach etwa 25-30 Jahren lässt die Ertragskraft der Palmen hinsichtlich der Früchte nach. Er fällt von 6 Tonnen pro Jahr auf 3-4 Tonnen. Hinzu kommt, dass die Palmen immer höher werden, die Palmfrüchte sind schlicht nicht mehr zu ernten. Die Palmen werden gefällt und neue gepflanzt. Bis vor kurzem wurden die gefällten Stämme verbrannt. Das ist nicht mehr erlaubt. Zum Untermulchen fällt viel zuviel Biomasse an. Es ergibt sich ein Entsorgungsproblem.

Gleichzeitig herrscht in Südostasien, wo die meisten Ölpalmen angebaut werden großer Holzmangel. Die Lösung wäre, die gefällten Stämme der ausgedienten Ölpalmen stofflich zu nutzen. PalmwoodNet geht von einer jährlich anfallenden Menge von 100-120 Mio. cbm Holz aus der Neubepflanzung von Ölpalmenplantagen aus. Dabei sind nur anerkannt nachhaltig bewirtschaftete Plantagen berücksichtigt. Derzeit verrotten die Stämme nach dem Ende ihrer Nutzung als Öllieferant und setzen dadurch jährlich 50-70 Mio. Tonnen CO2 und andere Treibhausgase frei, so Frühwald.

Das Holz der Ölpalme ist isotrop, hat also keine Jahrringe, die Palme hat auch kein sekundäres Dickenwachstum. Sie ist botanisch kein Baum, sondern ein Gras. Dass die Palme dennoch dicker wird liegt daran, dass die Zellwände dicker werden. Die Zahl der Zellen steigt nicht. Da die Zellen nicht überall gleich dicker werden, weist das Palmholz große Dichteunterschiede auf. Es ist unten am Stamm dichter als oben und außen dichter als innen. Die Dichte schwankt unten zwischen 0,2 und 0,6 g/cm3. Oben liegt sie zwischen 0,18 und 0,4 g/cm3. „Die Dichte in einem Stamm reicht von Balsa bis Eiche“, sagt Frühwald.

PalmwoodNetHinsichtlich der Produkte erklärt Frühwald, das Holz solle nicht zerkleinert, sondern als Massivholz verwendet werden. Es habe in Südostasien bereits früher Versuche gegeben, das Palmholz zu Möbeln zu verarbeiten, sie seien jedoch unter anderem wegen schlechter Auszugswerte gescheitert. Um das Holz sinnvoll zu nutzen, müsse es zunächst nach Dichteklassen aufgetrennt werden. Auf die höchste Dichteklasse entfallen etwa 15-22%, auf die niedrigste rund 45%. Aktuell habe man Tests mit Palmholz für verschiedene Plattenprodukte durchgeführt, die sehr erfolgreich verlaufen seien. Und bereits 1992-1995 habe HARO Palmholz für seine Fußböden verwendet. Damals sei jedoch die Versorgung nicht ausreichend gesichert gewesen. Das habe sich seither grundlegend geändert.

Dr. Stefan Möhringer von der Simon Möhringer Anlagenbau GmbH ist der Fachmann für die Sägetechnik bei PalmwoodNet. Er sagt, erste Versuche mit Palmholz habe es 2012 gegeben. Die Einschnittstudien haben eine Schnittholzausbeute von 60-65% ergeben. Allerdings müsse man beim Einschnitt die Dichteschwankungen des Holzes berücksichtigen und entlang der Dichtegrenzen einschneiden. Palmholz hat mit 6% einen hohen Zuckergehalt. Daher schimmelt es schnell. Ziel muss es laut Möhringer deshalb sein, das Holz innerhalb von einer Woche von der Plantage als fertiges Schnittholz in die Trockenkammer zu bringen. Da die Palme keine Äste hat, ist die Fällung anspruchslos. Die Palmen werden in der Regel umgedrückt, sodass die Wurzeln sich aus dem Boden lösen. Dann ist nur ein Schnitt unten und einer oben nötig.

Hinsichtlich der Bearbeitbarkeit ist Palmholz aufgrund seiner Silikateinlagerungen anspruchsvoll. Andreas Kisselbach, Leiter der Forschung und Entwicklung beim Werkzeughersteller Leitz erklärt, man habe inzwischen Werkzeuge entwickelt, die durch neue Schneidmittel ausreichend hohe Standzeiten auch für Palmholz haben. Auch die Geometrie der Werkzeuge sei modifiziert worden. Getestet wurden die Werkzeuge in Maschinen der Firma Gebrüder Schröder, die Maschinen zur Parkettbearbeitung herstellt.

Professor Dr. Dieter Fink, ebenfalls von der Palmwood R+D GbR, sagte, als Absatzmarkt stehe zunächst Asien im Fokus. Palmholz gebe aber durchaus auch Produkte für den europäischen Markt her, wie leichte Tischplatten oder Schrankböden. Hinsichtlich der Zertifizierung benötige man weder FSC noch PEFC, da Palmholz im eigentlichen Sinne kein Holz sei. Für das Holz gelte wie für die Ölfrüchte das Palmölzertifikat RSPO.

Dr. Martin Henneken vom Klebstoffhersteller Jowat ist der Sprecher von PalmwoodNet. Zur Verklebung von Palmholz erklärt er, das Material sauge stark. Bei der Verklebung müsse man deshalb darauf achten, dass der Klebstoff an der Oberfläche bleibt. Konventionelle Klebstoffe hätten sich bei der Verklebung von Palmholz gut bewährt, so Henneken. Ergänzend dazu sagt Dr. Hubertus Zeddies, Technischer Leiter beim Pressenhersteller Minda, man habe 50 BSH-Träger aus Palmholz gepresst, und sowohl für BSH als auch für Brettsperrholz sei Palmholz bestens geeignet. Der 5-Jahres-Plan in China sehe Holz als Baustoff der Zukunft vor. Deshalb gebe es jetzt neue Initiativen zur Nutzung von Palmholz in Asien. Jetzt gelte es, Investoren für diese möglichen Projekte finden. Auf der LIGNA habe man diesbezüglich bereits zahlreiche vielversprechende Gespräche geführt.

Aus europäischer Sicht bedeutet die Nutzung des Palmholzes zunächst die Mobilisierung einer riesigen Rohstoffreserve in Asien. Dies könnte zu einer Entlastung des Holzmarktes in Europa führen, da der Bedarf an Exporten Richtung Asien zumindest geringfügig sinken. Aber auch andersherum könnten für Europa interessante Leichtbauprodukte entstehen.

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